Gelassenheit im Spitzensport – Interview Sascha Benecken

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Gelassenheit im Spitzensport – Interview Sascha Benecken

Gelassenheit im Spitzensport Sascha Bennecken

Das Rezept zum Erfolg in stressigen Situationen: Gelassenheit

Interview mit Sascha Benecken zum Thema: Gelassenheit im Spitzensport.

Sascha Benecken, 27 Jahre
zusammen mit Toni Eggert Weltcupgesamtsieger 2015 und 2017, Weltmeister 2017 im Rennrodeln.

 

Was machen Sie beruflich, und wo leben Sie?

Beruflich habe ich eine Ausbildung zum Polizeimeister der Bundespolizei abgeschlossen und übe meinen Dienst im Moment als Spitzensportler der Sportfördergruppe der Bundespolizei aus.

Im Sport selbst bin ich Rennrodler, aufgrund der Behördenzugehörigkeit Amateursportler, wenngleich die Ausübung des Sportes professionell betrieben wird.

Ich lebe mit meiner Freundin in Oberhof.

Wenn Sie an den Anfang Ihres Berufslebens denken: In welchen konkreten Situationen sind Sie damals wiederholt in Stress geraten?

Im Sport ging das bereits mit neun Jahren los. Direkt nachdem ich als Kind mit Rennrodeln begonnen hatte, folgten die ersten Wettkämpfe und Meisterschaften in regelmäßigen Abständen.

Polizeilich war das wohl als Allererstes das Eignungs- und Auswahlverfahren, um die Hürde der Aufnahme in die Bundespolizei zu meistern. Später während der Ausbildung waren es analog der Schule immer wieder schriftliche und praktische Tests.

Welche Gedanken haben dabei eine Rolle gespielt?

Ganz klar die Angst zu versagen. Gerade kurz vor einem Wettkampf oder einer Prüfung merkte ich immer wieder, dass ich eigentlich lieber der „Konflikt“-Situation entfliehen wollte. Totaler Quatsch, wenn man bedenkt, dass man vielleicht stundenlang für eine Prüfung gelernt hat oder man Wochen auf einen Athletiktest hintrainierte. Dennoch denke ich, dass das Gefühl des „Sich-nicht-stellen-Wollens“ jedem bekannt ist, und das wiederum rührt, denke ich, von der großen Angst her, zu versagen oder zu enttäuschen.

Was waren damals Ihre persönlichen Auslöser dafür, dass Ihr Stresslevel immer wieder stieg?

Zum einen denke ich, dass es die Angst ist, zu versagen, zum anderen haben Wettkämpfe oder Tests immer etwas massiv Einnehmendes. Meine Gedanken kreisten nur darum: „Wie bestehe ich den Test?“, oder: „Hoffentlich bin ich gut!“ Und das Ganze ist aber immer sehr fokussiert. Wodurch natürlich eine extreme Konzentration des Wissens oder Könnens erfolgte. Klar, wenn man immer denkt, es geht um das Leben bei jeder noch so kleinen Hürde, dann erzeugt das auch Spannung und Druck.

Was wurde dadurch ermöglicht?

Aktivierung sämtlicher bereitstehender Kräfte und Konzentration.

Was wurde dadurch unmöglich?

Sich mit realistischem, objektivem Blick der Situation zu stellen.

Wie sind Sie dann konkret mit Druck und Stress umgegangen?

Eigentlich war es viel mehr mein Köper selbst als tatsächlich ich. In der Nacht vor Wettkämpfen oder Prüfungen konnte ich nie gut schlafen. Wurde immer wieder wach, und dann begannen die Gedanken zu kreisen. Ich spielte die bevorstehenden Situationen von vorne bis hinten gedanklich hundertfach ab. Dadurch habe ich völlig unwillkürlich, natürlich, wie heimlich, geübt und mich, wenn auch nur geistig, mehrfach der Prüfung gestellt. Und das wiederum ließ mich dann zur tatsächlichen Prüfung relativ selbstbewusst auftreten, da ich ja nun alles schon x-fach erlebt hatte.

Hat sich Ihr Druck und Stress im Lauf der Jahre verändert? Wie genau?

Ja das ist passiert. Der Druck hat mit steigender öffentlicher Wahrnehmung immer mehr zugenommen genau wie mit wachsendem Erfolg natürlich auch die Erwartung. Mit meinem inneren Stress habe ich gelernt umzugehen,  sodass er heute zum vorwettkampflichen Ablauf einfach dazugehört.

Was bedeutet „Gelassenheit“ für Sie?

Freiheit. Dinge aus dem Winkel sehen zu können, der einem hilft.

Woran erkennen Sie heute, dass Sie Gelassenheit im Spitzensport haben?

Ich habe nicht mehr das Gefühl, dass es um mein Leben geht, und ich habe nicht das Gefühl der Angst, dass ich durch eine Niederlage zu einem Menschen geringeren Wertes/Ansehens werde.

Wie haben Sie gelernt, positiv mit Druck und Stress umzugehen?

Mittlerweile versuche ich, bewusst Stressanfälle, die immer noch regelmäßig wie Ebbe und Flut vor Wettkämpfen auftreten, wahrzunehmen, als solche zu erkennen und mir dann zu sagen, dass es völlig normal ist und dass es jedem so geht und mich das nur gut auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereitet.

Weiterhin nimmt mir die Erkenntnis und Weitsicht, die mir als Kind gefehlt hat, erheblich den Druck. Denn jeder Wettkampf scheint nur noch halb so bedrohlich, wenn man ihn auf ein Minimum reduziert.

Beispiel: Autorennfahrer fahren im Kreis oder Skifahrer streiten darum, wer am schnellsten den Berg herunterkommt. Ich könnte das ewig mit jeder Sportart weiter ausführen, aber wahrscheinlich merkt man schon jetzt, wie sich ein hochangesehener Weltcup oder eine WM auf einmal zu einem ziemlich ulkigen Spektakel entwickelt. Dadurch gewinne ich Abstand und kann Wettkämpfe anders einordnen als früher.

Was ist heute anders als noch vor Jahren im Umgang mit Stress?

Ich habe gelernt, die Dinge anders zu sehen.

Heute weiß ich, dass Stress etwas ist, das zum einen einfach dazugehört und zum anderen in gewisser Weise hilft, sich vollumfänglich zu fokussieren.

Früher dachte ich, er macht mich schwach oder lenkt mich ab. Das war natürlich nie der Fall.

Was tun Sie heute, um Ihre eigenen Batterien wieder aufzuladen?

  • Ich spiele Gitarre, schreibe Prosa und Lyrik. Das gibt mir einen gewissen Ausgleich, denn Ausgleich ist wichtig.
  • Weiterhin sind ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung und Lebensweise wohl der Schlüssel, wiederkehrende Höchstbelastungen meistern zu können.

Welche Kraftquellen haben Sie zur Verfügung?

Positive Erinnerungen :

  1. Als Kind haben meine Eltern gerne Reinhard Mey gehört. Damals hat für mich mit dieser Musik wohl eine Verknüpfung mit Heimat, Geborgenheit und Zuhause stattgefunden. Wenn ich ihn heute höre, habe ich immer gleich diese Assoziierung und fühle mich, gleich wo auch immer ich auf der Welt gerade bin, wie daheim und geborgen. Diese Wärme gibt auf jeden Fall Kraft.
  2. Weiterhin habe ich sportliche Erfolgserlebnisse auch als eine Art Kraftquelle. Sie hilft, um den Alltag – also das Training – gut zu absolvieren. Auch hier hat sich durch eine mentale Verknüpfung die Abrufbarkeit entwickelt. Allerdings bewusst – durch eine selbst ausgedachte Tätigkeit, Daumen und Zeigefinger aufeinanderpressen oder jede andere kleine mögliche Berührung, kann man mit Übung das Gefühl des Erfolges unmittelbar vor Trainingsstationen vorschalten und damit die Leistungsbereitschaft einfach erhöhen.

 

Welche Tipps können Sie anderen Menschen zum Thema „Positiv mit Druck und Stress umgehen“ geben?

  • Für mich war es immer das Ziel vor Augen, das mir geholfen hat.
  • Denn wenn man ein Ziel hat, sollte man auch den Mut besitzen, den Weg dahin zu gehen, dazu die nötige Entschlossenheit, dann wirkt jede Hürde nur noch halb so hoch.
Sagen Sie uns Ihre Meinung.

Weniger Stress durch mehr Achtsamkeit.

Wie sind Ihre Erfahrungen?

Vielen Dank.

 

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By | 2017-04-11T13:57:05+00:00 März 15th, 2017|Gelassenheit, Stress|0 Comments

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